Buddhistische Weisheiten 2500 Jahre Buddhismus
Meister & Lehrer

Buddha

Siddhartha Gautama — geboren im 5. oder 6. Jahrhundert v. Chr. in Lumbini (heute Nepal), gestorben in Kushinagar — war der historische Begründer des Buddhismus. Als „der Erwachte" hat er eine Lehre hinterlassen, die heute 400 bis 500 Millionen Menschen weltweit prägt.

Siddhartha Gautama — Buddhakopf, Statue

Siddhartha Gautama (ca. 5./6. Jh. v. Chr.) war ein indischer Asket und Weisheitslehrer aus dem Shakya-Clan, der nach einer Erleuchtungserfahrung unter dem Bodhi-Baum in Bodh Gaya als „Buddha" — der Erwachte — bekannt wurde und dessen Lehren die Weltreligion des Buddhismus begründeten.

Bild „Buddha Kopf" — CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Weisheiten von Buddha

Die Sammlung enthält 78 Weisheiten, die Buddha zugeschrieben werden — über Mitgefühl, Achtsamkeit, den Umgang mit Leid und den Weg zur inneren Freiheit.

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Die historische Person

Über Siddhartha Gautama — den historischen Buddha — ist wenig direkt belegt. Seine Existenz gilt in der modernen Forschung als gesichert; der älteste externe historische Beleg ist eine Inschrift aus dem 3. Jahrhundert v. Chr.: Kaiser Ashoka ließ an der Rummindei-Säule in Lumbini festhalten, er habe diesen Ort als Geburtsort Buddhas identifiziert und das Dorf von Steuern befreit. Archäologische Funde unter dem Maya-Devi-Tempel in Lumbini datieren frühe Verehrungsstätten in das 6. Jahrhundert v. Chr.

Die Datierung ist wissenschaftlich umstritten. Die in westlichen Nachschlagewerken am häufigsten verwendete korrigierte lange Chronologie setzt die Lebensdaten auf ca. 563–483 v. Chr.; die in der akademischen Forschung zunehmend diskutierte kurze Chronologie datiert den Tod auf ca. 400 v. Chr. und die Geburt entsprechend früher. Die traditionell-asiatische Chronologie, die in Theravada-Ländern als Grundlage des buddhistischen Kalenders dient, setzt das Todesjahr auf ca. 544/543 v. Chr. Ein Lebensalter von 80 Jahren gilt in allen Traditionen als unstrittig.

Die biografischen Quellen — der Pali-Kanon (Tipitaka), die Sanskrit-Dichtung Buddhacarita des Ashvaghosha (1./2. Jh. n. Chr.) und die Biografie-Einleitung Nidanakatha (5. Jh. n. Chr.) — entstanden Jahrzehnte bis Jahrhunderte nach Buddhas Tod und sind religiöser Natur. Was in ihnen historisch, was hagiografisch ist, lässt sich oft nicht scharf trennen. Die Darstellung unten folgt der klassischen Überlieferung und kennzeichnet hagiografische Elemente dort, wo sie von historisch Gestütztem abweichen.

Herkunft und Jugend

Siddhartha gehörte dem Shakya-Clan an — einer Herrschergemeinschaft (Kshatriya-Kaste) mit Sitz in Kapilavastu im Grenzgebiet des heutigen Nepal und Nordindiens. Die moderne Forschung geht davon aus, dass die Shakyas kein erbliches Königreich im strengen Sinne bildeten, sondern einen Oligarchen-Rat; sein Vater Suddhodana war wahrscheinlich ein gewählter Anführer dieses Rates, kein Monarch im modernen Verständnis. Seine Mutter Mahamaya starb der Überlieferung nach sieben Tage nach Siddharthas Geburt in Lumbini; aufgezogen wurde er von ihrer Schwester Mahapajapati Gotami, die später als erste Frau in den buddhistischen Orden aufgenommen wurde.

Im Alter von etwa 16 Jahren heiratete er Yasodhara, eine Prinzessin aus dem Koliya-Clan. Ihr Sohn erhielt den Namen Rahula — der Überlieferung nach kurz vor Siddharthas Aufbruch aus dem Palastleben geboren.

Die Vier Ausfahrten und das Große Verlassen

Das klassische Narrativ erzählt von vier Begegnungen, die Siddhartha auf Ausfahrten aus dem abgeschirmten Palastleben erschütterten: ein alter Mann, ein Kranker, ein Toter und schließlich ein ruhig-würdevoller Wandermönch. Diese Vier Ausfahrten (Pali: Catuparikkhara) gelten in der Tradition als Auslöser seines Entschlusses, das Haushalten aufzugeben. Historiker betrachten sie als literarisches Motiv, das die universale menschliche Erfahrung von Vergänglichkeit kondensiert — nicht als rekonstruierbares Ereignis.

Im Alter von ca. 29 Jahren verließ Siddhartha in der Nacht heimlich Palast, Frau und neugeborenen Sohn — das sogenannte Große Verlassen (Mahabhinishkramana). Er schnitt sein Haar ab, legte die Fürstengewänder ab und begann das Leben eines Wanderasketen. Ein solcher Schritt war im Indien des 5./6. Jahrhunderts v. Chr. eine anerkannte religiöse Praxis (Shramana-Bewegung) und historisch gut plausibel.

Asketische Phase

Siddhartha suchte zunächst zwei Meditationslehrer auf: Alara Kalama lehrte die Versenkungsstufe der Nichtsheit; Uddaka Ramaputta lehrte die höchste Stufe seiner Schule. Beide Begegnungen sind in den ältesten Pali-Texten bezeugt. Siddhartha soll beide Lehrgebäude schnell gemeistert, aber als unvollständig — als keinen Ausweg aus dem Leiden weisend — erkannt haben.

Danach praktizierte er zusammen mit fünf anderen Asketen sechs Jahre lang extreme Leibmortifikation: minimalste Nahrung, Atemanhaltung, Ausharren in der Hitze. Diese Praxis ist im Shramana-Milieu gut historisch belegt. In den frühen buddhistischen Texten gilt sie als Irrweg — und Siddhartha gibt sie letztlich auf, nimmt wieder normale Nahrung an und wird von den fünf Gefährten daraufhin verlassen. Aus dieser Erfahrung heraus entwickelt er später das Konzept des Mittleren Weges: weder Luxus noch Selbstkasteiung, sondern eine ausgewogene Praxis.

Erleuchtung in Bodh Gaya

Siddhartha setzte sich unter einem Feigenbaum (Ficus religiosa) in der Region Bodh Gaya, Bihar, Nordindien, und nahm sich vor, nicht aufzustehen, bis er vollständige Erkenntnis erlangt habe. Die ältesten Pali-Texte — vor allem das Ariyapariyesana Sutta (MN 26) — berichten nüchtern: Er vertiefte sich in Jhana-Meditationsstufen, durchdrang die Kette des abhängigen Entstehens und vernichtete alle Verunreinigungen des Geistes. Er erlangte vollständiges Erwachen (Bodhi) und war fortan der Buddha — der Erwachte.

Spätere Texte (vor allem Nidanakatha und Buddhacarita) dramatisieren diese Nacht durch die Begegnung mit Mara, der Verkörperung von Tod, Begehren und Verblendung: Mara schickt Heerscharen von Dämonen und seine Töchter der Versuchung, um Siddhartha zu erschüttern. Siddhartha berührt mit der rechten Hand die Erde — die bekannte bhumisparsha mudra, „die Erde als Zeugin anrufend" — und Mara zieht sich zurück. Diese Episode ist religiöse Bildsprache für die Überwindung innerer Hindernisse, nicht historisch überprüfbar; ikonografisch ist sie bis heute das meistdargestellte Motiv im Buddhismus. Der Baum heißt seitdem Bodhi-Baum (Baum des Erwachens); der Ort Bodh Gaya ist UNESCO-Welterbe.

Erste Lehrrede in Sarnath

Nach der Erleuchtung suchte Buddha seine früheren fünf Asketengelehrten auf, die ihn nach seiner Aufgabe der Askese verlassen hatten und nun im Hirschpark (Isipatana) bei Sarnath nahe Varanasi lebten. Dort hielt er seine erste Lehrrede — das Dhammacakkappavattana Sutta (SN 56.11, „Das Inbewegungesetzen des Rades der Lehre"). Die Dhamek-Stupa in Sarnath markiert traditionell diesen Ort; die Stätte ist archäologisch gut belegt.

Inhalt dieser ersten Lehrrede waren die Vier Edlen Wahrheiten — Leiden (Dukkha), seine Entstehung (Samudaya), sein Erlöschen (Nirodha) und der Weg dorthin (Magga) — sowie der Achtfache Pfad als Mittlerer Weg. Kondanna, der älteste der fünf, verstand als erster: „Alles, was entsteht, vergeht." — Die fünf wurden Buddhas erste Mönche und damit Gründungsmitglieder der Sangha (Gemeinschaft). Dieser Tag — traditionell der erste Vollmondtag des Monats Asalha (Juli) — wird in Theravada-Ländern als Asalha Puja gefeiert.

45 Jahre Lehrtätigkeit

Die folgenden rund 45 Jahre lehrte Buddha wandernd in der Gangestal-Region (heutige Bundesstaaten Bihar und Uttar Pradesh). Er verbrachte die Regenmonate (Vassa) in festen Aufenthaltsorten — vor allem im Jetavana-Kloster bei Savatthi, in Rajgir und in Vaishali —, den Rest des Jahres auf Wanderschaft.

Zu seinen bedeutendsten Schülern gehörten Ananda, sein persönlicher Assistent der letzten 25 Jahre, der für sein außerordentliches Gedächtnis bekannt war und die Suttas nach Buddhas Tod überlieferte; Sariputta (Skt: Shariputra), erster Hauptschüler und Meister der Lehrsystematik; Moggallana (Skt: Maudgalyayana), zweiter Hauptschüler; und Mahakassapa (Skt: Mahakashyapa), der nach Buddhas Tod das erste buddhistische Konzil in Rajgir leitete und in der Zen-Tradition als Urahn der Linie verehrt wird.

Eine folgenreiche Entscheidung war die Aufnahme von Frauen in den Orden: Buddhas Pflegemutter Mahapajapati Gotami bat wiederholt um die Vollordination als Nonne (Bhikkhuni). Buddha stimmte ihr — der Überlieferung nach auf Bitten des Ananda hin — schließlich unter der Bedingung von acht Sonderregeln (Garudhammas) zu; sie wurde die erste ordinierte Nonne der Geschichte. Die genaue Form dieser Übereinkunft ist in der modernen Forschung umstritten, die historische Tatsache der Nonnenordination gilt als gesichert.

Parinirvana in Kushinagar

Buddha starb im Alter von ca. 80 Jahren in Kushinagar (Pali: Kusinara), heute Uttar Pradesh, Indien, in einem Sala-Hain. Der Überlieferung nach aß er kurz zuvor die Speise des Schmieds Cunda — im Pali-Text sukaramaddava, dessen genaue Bedeutung (Schweinefleisch oder eine Pilzart) bis heute diskutiert wird — und erkrankte schwer. Er starb liegend zwischen zwei Sala-Bäumen, umgeben von Schülern.

Seine letzten Worte sind im Mahāparinibbāna Sutta (DN 16) überliefert:

„Vayadhammā saṅkhārā, appamādena sampādethā." — „Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich — übt eifrig."

Buddhas Körper wurde kremiert; die Reliquien wurden der Überlieferung nach auf acht Staaten aufgeteilt und in Stupas beigesetzt. Ausgrabungen in Piprahwa (1898) fanden eine Urne mit einer Inschrift, die auf Buddha-Reliquien hindeutet.

Wirkungsgeschichte

Den entscheidenden Schritt zur Ausbreitung des Buddhismus unternahm Kaiser Ashoka (reg. ca. 268–232 v. Chr.), der nach einem blutigen Eroberungskrieg zum Buddhismus konvertierte und dessen Grundsätze zur Basis seiner Herrschaft machte. Seine Dhamma-Inschriften auf Säulen und Felsen sind die ältesten datierten buddhistischen Dokumente. Ashokas Sohn Mahinda brachte den Buddhismus nach Sri Lanka — von dort breitete sich der Theravada-Buddhismus in Südostasien aus.

Ab dem 1. Jahrhundert v. Chr. entwickelte sich der Mahayana-Buddhismus, der sich über die Seidenstraße nach Zentralasien, China, Korea und Japan ausbreitete. Der Vajrayana (Tantrischer Buddhismus) entstand in Indien ab ca. dem 5. Jahrhundert n. Chr. und prägt heute Tibet, Bhutan und die Mongolei. In Indien selbst wurde der Buddhismus nach dem 12. Jahrhundert durch islamische Eroberungen und das Erstarken des Hinduismus weitgehend verdrängt.

Heute folgen weltweit schätzungsweise 400 bis 500 Millionen Menschen buddhistischen Traditionen — über 98 Prozent davon in Asien. Die Lehre des historischen Buddha bildet das Fundament aller drei großen Linien: Theravada, Mahayana und Vajrayana, so unterschiedlich sie sich auch entwickelt haben.