Buddhistische Weisheiten 2500 Jahre Buddhismus
Meister & Lehrer

Dalai Lama

Tenzin Gyatso — geboren 1935 in einem Bauerndorf in Ost-Tibet, seit 1959 im indischen Exil — ist das geistige Oberhaupt des tibetischen Buddhismus und einer der bekanntesten Botschafter des Mitgefühls weltweit.

Dalai Lama — Tenzin Gyatso

Tenzin Gyatso ist der 14. Dalai Lama — religiöses Oberhaupt der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus und seit 2011 ausschließlich in spiritueller Funktion tätig. Er verbindet in seinem Werk buddhistisches Denken mit moderner Wissenschaft und entwirft eine säkulare Ethik, die über religiöse Grenzen hinaus gilt.

Bild „Dalai-Lama-Wien-2012" von Welt Atlas — CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Weisheiten des Dalai Lama

Die Sammlung enthält 99 Weisheiten von Tenzin Gyatso — über Mitgefühl, Glück, die Natur des Geistes und das gute Leben.

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Kindheit und Herkunft

Am 6. Juli 1935 wurde Lhamo Döndrub in Taktser geboren, einem kleinen Bauerndorf in der tibetischen Region Amdo — heute Teil der chinesischen Provinz Qinghai. Sein Vater Chökyong Tsering und seine Mutter Dekyi Tsering bewirtschafteten ein einfaches Landgut; angebaut wurden vor allem Gerste, Buchweizen und Kartoffeln. Lhamo Döndrub war das neunte von sechzehn Kindern, von denen sieben das Erwachsenenalter erreichten.

Identifizierung und Inthronisierung

Im Jahr 1937 — Lhamo Döndrub war knapp zwei Jahre alt — suchte ein Suchtrupp hochrangiger Mönche nach der Wiedergeburt des kurz zuvor verstorbenen 13. Dalai Lama. Dem kleinen Jungen wurden Gegenstände seines Vorgängers vorgelegt; er erkannte sie und wählte sie sicher aus. 1939 wurde er offiziell als 14. Dalai Lama anerkannt und erhielt seinen Ordensnamen Jetsün Jampel Ngawang Lobsang Yeshe Tenzin Gyatso. Am 22. Februar 1940 wurde er im Potala-Palast in Lhasa im Alter von vier Jahren feierlich inthronisiert.

Seine wichtigsten Lehrer waren Ling Rinpoche (Haupttutor) und Trijang Rinpoche (Juniortutor). Zwischen 1948 und 1951 unterrichtete ihn auch der österreichische Bergsteiger Heinrich Harrer in Mathematik, Englisch und Geografie — eine Begegnung, die Harrer in seinem Buch Sieben Jahre in Tibet beschrieb.

Herrschaft in Tibet und der chinesische Einmarsch

Am 17. November 1950 — er war 15 Jahre alt — übernahm Tenzin Gyatso die weltliche Herrschaft über Tibet. Anlass war der Einmarsch chinesischer Truppen im Oktober 1950. 1954 reiste er nach Peking, um mit Mao Zedong und anderen Staatsführern zu verhandeln. In den folgenden Jahren wuchs der Druck auf Tibet stetig: Die traditionellen Strukturen wurden untergraben, Klöster geschlossen, die tibetische Bevölkerung zunehmend unterdrückt.

Die Flucht 1959

In der Nacht zum 17. März 1959 verließ der Dalai Lama verkleidet als einfacher Soldat den Norbulingka-Palast in Lhasa. Auslöser war der Tibetische Volksaufstand vom 10. März 1959: Zehntausende Tibeter hatten den Palast umstellt, um ihn vor einer befürchteten Verhaftung durch chinesische Truppen zu schützen. Zu Fuß und auf Pferden überquerte er mit einer kleinen Gruppe den Himalaya — rund 400 Kilometer in etwa vierzehn Tagen. Am 31. März 1959 überschritt er am Khenzimane-Pass die Grenze nach Indien. Wenige Tage später gewährte ihm der indische Premierminister Jawaharlal Nehru politisches Asyl.

Dharamsala — das kleine Lhasa

Seit Mai 1960 lebt Tenzin Gyatso in Dharamsala im Norden Indiens, das seither als „Kleines Lhasa" bekannt ist. Hier etablierte er die Tibetische Exilregierung (Central Tibetan Administration, CTA), die eine staatliche Struktur für die rund 100.000 tibetischen Exilanten aufbaute — mit eigenem Bildungssystem, Verwaltung und Parlament. Als politische Linie entwickelte er den Middle Way Approach (Umaylam): Statt Unabhängigkeit strebt er echte Autonomie für Tibet innerhalb der Volksrepublik China an — auf dem Weg des gewaltfreien Dialogs. 1997 nahm das Tibetische Exilparlament diese Politik einstimmig an.

Friedensnobelpreis 1989

Am 5. Oktober 1989 wurde Tenzin Gyatso der Friedensnobelpreis zugesprochen. Das Nobelkomitee begründete die Entscheidung damit, er habe „beständig den Einsatz von Gewalt abgelehnt" und seine Friedensphilosophie auf „Ehrfurcht vor allem Lebendigen und das Konzept universeller Verantwortung" begründet. Er befürworte friedliche Lösungen auf der Grundlage von Toleranz und gegenseitigem Respekt zum Erhalt des historischen und kulturellen Erbes seines Volkes.

Lehre und Philosophie

Tenzin Gyatso gehört der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus an, der größten der vier tibetisch-buddhistischen Schulen. Gleichzeitig unterstützt er die Rime-Bewegung, eine Strömung, die die verschiedenen tibetischen Schulen in gegenseitigem Respekt zusammenführt. Im Zentrum seiner Lehre stehen Mitgefühl (Bodhicitta), die Erkenntnis der Leere (Sunyata) und das Prinzip universeller Verantwortung — die Idee, dass alle Menschen füreinander verantwortlich sind.

Seit den 1980er Jahren engagiert er sich intensiv im Dialog zwischen Buddhismus und moderner Wissenschaft, besonders der Kognitionswissenschaft und der Physik. Darüber hinaus wirbt er für eine säkulare Ethik: ein Fundament menschlicher Werte, das unabhängig von religiöser Zugehörigkeit gilt und das er in Schulen und Institutionen weltweit einführen möchte.

Politischer Rückzug 2011

Am 19. März 2011 erklärte Tenzin Gyatso im Haupttempel Tsuglagkhang in Dharamsala seinen Rückzug aus allen politischen Ämtern. Im Mai 2011 wurde die Charta der Tibeter im Exil entsprechend geändert. Sein Nachfolger als politischer Führer wurde Lobsang Sangay, der am 8. August 2011 das Amt des Sikyong (Politischer Leiter) übernahm. Seitdem widmet sich der Dalai Lama ausschließlich seiner religiösen und spirituellen Funktion.

Ausgewählte Bücher

Unter den vielen Büchern von Tenzin Gyatso sind besonders bekannt: My Land and My People (1962), seine erste Autobiografie, und Freedom in Exile (1990), die erweiterte Autobiografie. The Art of Happiness (1998, zusammen mit Howard C. Cutler) wurde zum internationalen Bestseller. Ethics for the New Millennium (1999) legt seine säkulare Ethik dar. The Universe in a Single Atom (2005) beleuchtet die Verbindung von Buddhismus und Wissenschaft.