Buddhistische Weisheiten 2500 Jahre Buddhismus
Meister & Lehrer

Thích Nhất Hạnh

Thích Nhất Hạnh — geboren 1926 in Huế, Vietnam, gestorben 2022 ebendort — war vietnamesischer Zen-Mönch, Schriftsteller und Friedensaktivist. Er prägte den Begriff des engagierten Buddhismus, gründete Plum Village in Frankreich und gehört zu den einflussreichsten buddhistischen Lehrern des 20. Jahrhunderts.

Thích Nhất Hạnh

Thích Nhất Hạnh (1926–2022) war ein vietnamesischer Zen-Mönch, Schriftsteller und Begründer der Plum Village-Gemeinschaft in Frankreich. Er gilt als einer der einflussreichsten buddhistischen Lehrer des 20. Jahrhunderts und als einer der Wegbereiter der westlichen Achtsamkeitsbewegung.

Bild „Thich Nhat Hanh 12 (cropped)" von Duc (pixiduc) — CC BY-SA 2.0 via Wikimedia Commons

Weisheiten von Thích Nhất Hạnh

Die Sammlung enthält 2 Weisheiten von Thích Nhất Hạnh — über Achtsamkeit und den Frieden im gegenwärtigen Moment.

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Kindheit und Ordination

Thích Nhất Hạnh wurde am 11. Oktober 1926 als Nguyễn Xuân Bảo in Huế, Zentralvietnam, geboren — fünftes von sechs Kindern einer gebildeten buddhistischen Familie. Mit sechzehn Jahren begann er 1942 sein Noviziat im Từ Hiếu Tempel in Huế unter dem Zen-Meister Thích Chân Thật. Seine Tradition ist der vietnamesische Thiền-Buddhismus, eine Form des Zen in der Linie der Lâm-Tế-Schule. Im Oktober 1951 empfing er in Saigon die volle Mönchsordination. Den Dharma-Namen Thích Nhất Hạnh — „Eine Handlung" oder „Eins sein mit dem Handeln" — trägt er seitdem; Thích ist der übliche Titelzusatz vietnamesischer Mönche als Zeichen der Zugehörigkeit zur Sangha des Buddha Shakyamuni.

Vietnamkrieg und der engagierte Buddhismus

Während des Vietnamkriegs vertrat Thích Nhất Hạnh eine konsequente Neutralität: Er verurteilte den Krieg, ohne sich auf die Seite des kommunistischen Nordens oder der südvietnamesischen Regierung zu stellen. Diese Haltung machte ihn beiden Lagern verdächtig. 1963 gründete er die „School of Youth for Social Services", die Tausende Freiwillige mobilisierte, um in zerbombten Dörfern Schulen, Krankenstationen und Wohnhäuser wiederaufzubauen. In dieser Zeit prägte er den Begriff des engagierten Buddhismus — die Überzeugung, dass Meditationspraxis und gesellschaftliches Handeln untrennbar sind: „Friede schaffen" beginnt im eigenen Geist und wirkt zugleich in der Welt.

1966 gründete er den Orden des Interbeing (vietnamesisch: Tiếp Hiện) mit vierzehn Achtsamkeitsübungen als ethischem Regelwerk für Laien und Mönche. Im Mai 1966 reiste er in die USA und nach Europa, um öffentlich gegen den Krieg zu sprechen. Die südvietnamesische Regierung erklärte ihn daraufhin zur Persona non grata — der Beginn eines Exils, das neununddreißig Jahre dauern sollte. Von 1968 bis 1973 leitete er die buddhistische Friedensdelegation bei den Pariser Friedensverhandlungen.

Nominierung für den Friedensnobelpreis

Im Januar 1967 nominierte Martin Luther King Jr. Thích Nhất Hạnh für den Friedensnobelpreis. In seinem Nominierungsschreiben schrieb King: „Ich kenne persönlich niemanden, der den Friedensnobelpreis mehr verdiente als diesen sanftmütigen Mönch aus Vietnam." Der Preis wurde in jenem Jahr nicht vergeben — das Nobelkomitee entschied sich 1967, ihn auszusetzen. Die Begegnung zwischen King und Thích Nhất Hạnh hatte zudem eine eigene Vorgeschichte: Ein Brief, den Thích Nhất Hạnh im Juni 1965 an King geschrieben hatte, trug dazu bei, King zu seinem öffentlichen Protest gegen den Vietnamkrieg zu bewegen.

Plum Village

1982 gründete Thích Nhất Hạnh gemeinsam mit seiner langjährigen Schülerin und Mitarbeiterin Sr. Chân Không eine Gemeinschaft im Département Dordogne in Südwestfrankreich: Plum Village — benannt nach den Pflaumenbäumen, die gepflanzt wurden, deren Früchte zunächst verkauft wurden, um vietnamesische Kinder zu unterstützen. Aus einem bescheidenen Anfang auf verlassenen Weinbauerngütern wurde das größte buddhistische Kloster Westeuropas: Heute leben dort über 200 Mönche und Nonnen in vier Teilklöstern; jährlich kommen mehr als zehntausend Besucher aus aller Welt für Retreats und Auszeiten. Die Plum-Village-Gemeinschaft unterhält außerdem Zentren in den USA, Deutschland, Australien und Asien sowie lose Laien-Sanghas auf allen Kontinenten.

Kernlehren: Intersein und Achtsamkeit im Alltag

Das philosophische Herzstück seiner Lehre ist das Konzept des Interbeing — auf Vietnamesisch Tương Tức, auf Deutsch oft „Intersein". Es bezeichnet die wechselseitige Bedingtheit aller Phänomene: Nichts existiert aus sich selbst heraus, alles entsteht in Abhängigkeit von allem anderen. „Ein Blatt Papier enthält eine Wolke", lautet sein bekanntestes Bild — ohne Regen kein Baum, ohne Baum kein Papier. Der Begriff ist seine eigene Schöpfung für das buddhistische Konzept des abhängigen Entstehens (Pratītyasamutpāda).

Achtsamkeit lehrte er nicht als isolierte Sitzmeditation, sondern als kontinuierliche Praxis in jeder Tätigkeit des Alltags: Gehen, Essen, Abwaschen, Atmen. Sein Buch Das Wunder der Achtsamkeit (1975) gilt als eines der ersten Werke, das diese Praxis einem breiten westlichen Publikum zugänglich machte. Jon Kabat-Zinn, Begründer des heute in Tausenden Kliniken angewandten MBSR-Programms (Mindfulness-Based Stress Reduction), war Schüler Thích Nhất Hạnhs. Auch die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) von Marsha Linehan ließ sich von seiner Achtsamkeitspraxis inspirieren.

Schlaganfall, Rückkehr und Tod

Am 11. November 2014 erlitt Thích Nhất Hạnh eine schwere Hirnblutung. Er überlebte, verlor aber weitgehend seine Sprachfähigkeit und war für den Rest seines Lebens auf Pflege angewiesen. Nach Jahren der Rehabilitation in Frankreich und den USA kehrte er im November 2018 — im Alter von 92 Jahren — dauerhaft in den Từ Hiếu Tempel in Huế zurück, das Kloster, in dem er 1942 sein Noviziat begonnen hatte. Am 22. Januar 2022 starb er dort friedlich im Alter von 95 Jahren.