Nachschlagewerk
Glossar
Buddhismus bringt eine eigene Sprache mit – viele Begriffe aus Sanskrit und Pali, die sich nicht einfach übersetzen lassen. Diese 17 begegnen einem auf dem Weg immer wieder.
- Anicca
- Eines der drei Merkmale aller bedingten Erscheinungen – neben Dukkha und Anatta. Alles, was entsteht, vergeht: kein Phänomen, kein Zustand, kein Gefühl ist dauerhaft. Das direkte Erkennen von Anicca in der Meditationspraxis ist ein wesentlicher Schritt auf dem Weg zur Befreiung.
- Anatta
- Das dritte Merkmal aller bedingten Erscheinungen. Die buddhistische Lehre, dass kein unveränderliches, unabhängiges Selbst oder eine beständige Seele existiert. Was wir als „Ich“ erleben, ist ein kontinuierlicher Prozess wechselnder Phänomene. Diese Lehre unterscheidet den Buddhismus grundlegend von brahmanischen Traditionen, die ein unveränderliches Selbst (Atman) annehmen.
- Bodhi
- Das vollständige Erwachen zur wahren Natur der Wirklichkeit. Siddhartha Gautama erlangte Bodhi unter dem Bodhi-Baum in Bodh Gaya (Nordindien) und wurde dadurch zum Buddha – dem Erwachten. Bodhi bezeichnet das direkte, nicht-begriffliche Erkennen der Wirklichkeit: das vollständige Durchschauen von Anicca, Dukkha und Anatta.
- Bodhisattva
- Ein Wesen auf dem Weg zur Buddhaschaft. Im Mahayana bezeichnet Bodhisattva ein Wesen, das den Vorsatz gefasst hat, die vollständige Buddhaschaft zum Wohl aller Lebewesen zu erlangen – und die eigene endgültige Befreiung solange aufschiebt, bis alle Wesen befreit sind. Im Theravada bezeichnet das Wort Siddhartha Gautama in seinen früheren Existenzen vor dem Erwachen.
- Brahmaviharas
- Die vier Herzensqualitäten, die im Buddhismus durch Meditation kultiviert werden: Metta (liebende Güte), Karuna (Mitgefühl), Mudita (Mitfreude) und Upekkha (Gleichmut). Der Begriff bedeutet wörtlich „göttliche Verweilzustände“ und bezeichnet jene Qualitäten des Herzens, die als Ausdruck eines erleuchteten Geistes gelten. Sie werden im Buddhismus aller Traditionen gepflegt.
- Buddha
- Der historische Buddha Siddhartha Gautama lebte ca. im 5.–4. Jh. v. Chr. in Nordindien und erlangte in Bodh Gaya Erleuchtung. Der Begriff Buddha bedeutet „der Erwachte“ und bezeichnet im weiteren Sinne jeden, der die vollständige Erleuchtung verwirklicht hat. Im Theravada ist Siddhartha Gautama der Buddha unserer Weltperiode; im Mahayana wird eine Vielzahl von Buddhas unterschiedlicher Zeitalter und Weltbereiche gelehrt.
- Dharma
- Das Wort hat im Buddhismus mehrere Bedeutungen: hauptsächlich die Lehre des Buddha; ferner die universelle Wahrheit, die diese Lehre beschreibt; und in der Abhidharma-Philosophie alle mentalen und physischen Phänomene. Zusammen mit Buddha und Sangha bildet der Dharma die Drei Juwelen (Triratna).
- Dukkha
- Oft mit „Leiden“ übersetzt, bezeichnet Dukkha die fundamentale Unbefriedigenheit aller bedingten Erfahrungen. Die erste der Vier Edlen Wahrheiten stellt fest, dass Dukkha ein grundlegendes Merkmal des Lebens ist – offensichtliches Leid ebenso wie die Vergänglichkeit des Angenehmen und die allgegenwärtige Instabilität aller Erscheinungen.
- Karma
- Buddha definierte Karma als Absicht (Pali: cetanā): Jede bewusste Handlung – körperlich, sprachlich oder geistig – erzeugt Wirkungen, die zukünftige Erfahrungen mitformen. Karma ist kein Schicksal und keine Strafe von außen, sondern das ethische Gesetz von Ursache und Wirkung. Unbeabsichtigte Handlungen gelten nicht als Karma.
- Karuna
- Der Wunsch, dass alle Wesen frei von Leid sein mögen, verbunden mit dem Impuls zu helfen. Karuna ist die zweite der vier Brahmaviharas. Im Mahayana gelten Mitgefühl (Karuna) und Weisheit (Prajna) als die zwei grundlegenden Qualitäten des Bodhisattva-Ideals.
- Metta
- Bedingungsloses Wohlwollen gegenüber allen Lebewesen – sich selbst eingeschlossen. Metta ist die erste der vier Brahmaviharas und wird durch die Metta-Meditation systematisch kultiviert. Sie richtet sich nicht auf besondere Eigenschaften oder Leistungen, sondern umfasst alle Wesen ohne Ausnahme.
- Nirvana
- Wörtlich „Ausblasen“ oder „Erlöschen“ – das vollständige Erlöschen von Gier, Hass und Verblendung. Nirvana ist das höchste Ziel buddhistischer Praxis: die vollständige Befreiung aus dem leidvollen Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt (Samsara). Es ist kein Zustand der Leere oder des Nichts, sondern ein Zustand jenseits von bedingtem Entstehen und Vergehen.
- Prajna
- Direkte Einsicht in die wahre Natur der Wirklichkeit. Im Theravada ist Prajna das Ergebnis von Vipassana-Meditation – das direkte Erkennen von Anicca, Dukkha und Anatta. Im Mahayana bezeichnet Prajna das Erkennen der Leerheit (Sunyata) aller Phänomene. Prajna ist die dritte der drei Schulungen: Sila (ethisches Handeln), Samadhi (Versenkung) und Prajna.
- Samsara
- Der Kreislauf von Geburt, Tod und Wiedergeburt, angetrieben durch Karma und Verlangen (Tanha). Samsara ist von Dukkha geprägt und gilt als Zustand der Unfreiheit. Ziel buddhistischer Praxis ist die Befreiung aus diesem Kreislauf durch das Erreichen von Nirvana.
- Sangha
- Im engeren Sinne die Gemeinschaft der ordinierten Mönche und Nonnen (Bhikkhus und Bhikkhunis); im weiteren Sinne alle Praktizierenden auf dem buddhistischen Weg. Zusammen mit Buddha und Dharma bildet die Sangha die Drei Juwelen (Triratna), zu denen Buddhisten traditionell Zuflucht nehmen.
- Sunyata
- Zentrales Konzept des Mahayana-Buddhismus: Alle Erscheinungen sind leer von eigenständiger, unabhängiger Existenz – sie entstehen ausschließlich in Abhängigkeit von Ursachen und Bedingungen. Nāgārjuna (ca. 2./3. Jh. n. Chr.) entfaltete diese Lehre in der Madhyamaka-Philosophie. Leerheit bedeutet nicht Nichts, sondern das Fehlen inhärenter Eigenexistenz.
Affiliate-Link — Als Amazon-Partner verdiene ich an qualifizierten Verkäufen eine kleine Provision. Für Sie entstehen keine Mehrkosten.