Buddhistische Weisheiten 2500 Jahre Buddhismus
Meister & Lehrer

Matthieu Ricard

Matthieu Ricard — geboren 1946 in Aix-les-Bains, Frankreich — ist buddhistischer Mönch der Nyingma-Tradition, promovierter Zellgenetiker, Übersetzer des 14. Dalai Lama und Mitgründer der Hilfsorganisation Karuna-Shechen. Er verbindet westliche Wissenschaft und östliche Weisheit wie kaum jemand sonst.

Matthieu Ricard

Matthieu Ricard (* 15. Februar 1946 in Aix-les-Bains) ist ein buddhistischer Mönch der Nyingma-Tradition, promovierter Zellgenetiker und offizieller Übersetzer des 14. Dalai Lama. Er ist Mitgründer der Hilfsorganisation Karuna-Shechen und einer der bekanntesten buddhistischen Autoren des Westens.

Bild „Mat in Tibet-D4784s" von Konchog — Public domain via Wikimedia Commons

Weisheiten von Matthieu Ricard

Die Sammlung enthält 16 Weisheiten von Matthieu Ricard — über Mitgefühl, Glück, die Natur des Geistes und den Wert der Praxis.

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Eltern und intellektuelle Herkunft

Matthieu Ricard wurde am 15. Februar 1946 in Aix-les-Bains, Savoie, geboren. Sein Vater war Jean-François Revel — bürgerlich Jean-François Ricard — einer der einflussreichsten französischen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts: Philosoph, Journalist, Autor und ab 1998 Mitglied der Académie française. Sein bekanntestes Buch, Ni Marx ni Jésus (1970), wurde in zwanzig Sprachen übersetzt. Seine Mutter Yahne Le Toumelin war surrealistisch-abstrakte Malerin, Schülerin von André Lhote und bekannt in den Pariser Kunstkreisen der 1950er Jahre. Nach ihrer Trennung von Revel im Jahr 1952 fand sie selbst zum tibetischen Buddhismus und legte 1968 in Sikkim beim 16. Karmapa die Nonnengelübde ab; sie verbrachte rund dreißig Jahre im Himalaya als Nonne und starb 2023 im Alter von 99 Jahren. Matthieu Ricard wuchs im intellektuellen Milieu von Paris auf — in einem Haushalt, in dem Sartre, Camus und andere Größen verkehrten.

Wissenschaftliche Karriere am Institut Pasteur

Ricard studierte Naturwissenschaften und promovierte am renommierten Institut Pasteur in Paris unter der Betreuung von François Jacob, der 1965 den Nobelpreis für Physiologie und Medizin erhalten hatte. 1972 schloss er seine Dissertation in Zellgenetik ab. Die akademische Karriere als Wissenschaftler stand ihm offen — doch er schlug einen anderen Weg ein.

Begegnung mit dem Buddhismus

1966 sah Ricard in Paris Dokumentarfilme des französischen Regisseurs Arnaud Desjardins über tibetische Lamas im Exil. Diese Aufnahmen berührten ihn tief. Am 2. Juni 1967 — er war 21 Jahre alt und hatte soeben sein Doktoratsstudium begonnen — reiste er erstmals nach Darjeeling, Indien, und begegnete Kangyur Rinpoche (1897–1975), einem Meister der Nyingma-Tradition. Ricard beschrieb diesen Tag später als den Beginn seines eigentlichen Lebens. Er verbrachte drei Wochen in einer Holzhütte mit Kangyur Rinpoche und seiner Familie und kehrte in den folgenden Jahren immer wieder zu ihm zurück — zunächst noch von Paris aus, dann zunehmend für längere Aufenthalte. Er lernte Tibetisch, vertiefte die Praxis und vollendete 1972 noch seine Promotion, bevor er seine wissenschaftliche Laufbahn endgültig aufgab.

Vierzehn Jahre bei Dilgo Khyentse Rinpoche

Nach dem Tod von Kangyur Rinpoche im Jahr 1975 wurde Ricard Schüler und persönlicher Assistent von Dilgo Khyentse Rinpoche (1910–1991), einem der bedeutendsten Nyingma-Meister des 20. Jahrhunderts und spirituellem Vater des 1985 in Kathmandu neu gegründeten Shechen-Klosters. Ricard begleitete ihn vierzehn Jahre lang als enger Assistent, Fotograf und Übersetzer — durch Indien, Bhutan, Europa und die USA. Er erlebte Dilgo Khyentses Weise zu lehren aus nächster Nähe und hielt seine Erinnerungen in der Biografie Journey to Enlightenment: The Life and World of Khyentse Rinpoche, Spiritual Teacher from Tibet fest. Ricard legte seine Mönchsgelübde mit etwa dreißig Jahren ab und lebt seither im Shechen Tennyi Dargyeling-Kloster in Boudhanath bei Kathmandu, Nepal — dem Kloster, das Dilgo Khyentse aufgebaut hatte.

Der Mönch und der Philosoph

1997 erschien auf Einladung eines französischen Verlags das Buch Le Moine et le Philosophe — ein Gespräch zwischen Vater und Sohn, zwischen dem agnostischen Philosophen Jean-François Revel und dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard. Über neun Tage diskutierten sie Metaphysik, Psychoanalyse, westliche Wissenschaft, die Natur des Bewusstseins und die Frage, was ein gutes Leben ausmacht. Das Buch wurde ein internationaler Bestseller, in Frankreich mit über 300.000 verkauften Exemplaren, und in einundzwanzig Sprachen übersetzt. Im deutschsprachigen Raum erschien es unter dem Titel Der Mönch und der Philosoph. Ab 1997 spendete Ricard alle Einnahmen aus diesem Buch für humanitäre Arbeit im Himalaya — der Keim, aus dem Karuna-Shechen entstand.

Übersetzer, Wissenschaft und der „glücklichste Mensch"

Seit 1989 ist Ricard der offizielle französische Übersetzer und Dolmetscher des 14. Dalai Lama. In dieser Funktion begleitet er ihn regelmäßig bei Reisen nach Frankreich und in andere frankophone Länder. Gleichzeitig engagiert er sich im Mind and Life Institute, das auf Initiative des Dalai Lama den Dialog zwischen buddhistischer Praxis und westlicher Wissenschaft fördert. Als erfahrener Meditierender mit wissenschaftlichem Hintergrund nahm er an Forschungsstudien mehrerer Universitäten teil — darunter an der University of Wisconsin–Madison unter dem Neurowissenschaftler Richard Davidson. Dabei wurde seine Hirnaktivität während der Mitgefühlsmeditation mit 256 EEG-Sensoren gemessen; die gemessenen Gamma-Wellen lagen in einem Bereich, der in der Neurowissenschaft zuvor nicht dokumentiert worden war. Ein australischer Dokumentarfilm kommentierte dies mit dem Satz, hier sei „vielleicht der glücklichste Mensch der Welt" zu sehen; The Independent übernahm das Label als Schlagzeile. Ricard selbst bezeichnete es als „absurd" — er war einer von über zwanzig erfahrenen Meditierenden mit vergleichbaren Ergebnissen.

Karuna-Shechen

Im Jahr 2000 gründete Ricard gemeinsam mit Shechen Rabjam Rinpoche — dem Enkel von Dilgo Khyentse und heutigem Abt des Shechen-Klosters — die Hilfsorganisation Karuna-Shechen. Sie ist in Indien, Nepal und Tibet tätig und unterstützt Projekte in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Ernährungssicherheit und Frauen-Empowerment. Stand 2024: über 200 Projekte, mehr als 300.000 Menschen jährlich begünstigt, ein Jahresbudget von rund 3,8 Millionen US-Dollar. Ricard spendet alle Honorare aus Büchern und Vorträgen vollständig an Karuna-Shechen. Für dieses Engagement wurde er mit dem französischen Ordre National du Mérite ausgezeichnet. Er lebt heute im Shechen-Kloster in Kathmandu, schreibt, übersetzt und reist für Vorträge bei internationalen Foren wie dem World Economic Forum.