Ajahn Brahm
Ajahn Brahm — geboren 1951 in London als Peter Betts — ist ein britischer Theravāda-Mönch und Abt des Bodhinyana Monastery in Westaustralien. Er studierte Theoretische Physik in Cambridge, bevor er in die Thai-Forest-Tradition seines Lehrers Ajahn Chah eintrat und 1983 nach Australien kam. Heute zählt er zu den einflussreichsten und meistgehörten buddhistischen Lehrern der Gegenwart.
Weisheiten von Ajahn Brahm
Die Sammlung enthält 8 Weisheiten von Ajahn Brahm — über Schönheit, Liebe, Loslassen und den Frieden im Herzen.
Kindheit, Studium und erster Kontakt mit dem Buddhismus
Peter Betts wurde am 7. August 1951 in London geboren. Er besuchte die Latymer Upper School und erhielt ein Stipendium für das Emmanuel College in Cambridge, wo er Theoretische Physik studierte. Bereits während seines Studiums kam er mit dem Buddhismus in Berührung — er las buddhistische Bücher, nahm an einem ersten Meditationsretreat teil und betrachtete sich bald als Buddhist. Nach dem Abschluss unterrichtete er ein Jahr lang Mathematik in Devon, bevor er nach Thailand aufbrach, um Mönch zu werden.
Ordination und Ausbildung unter Ajahn Chah
1974, im Alter von 23 Jahren, empfing Peter Betts im Wat Saket in Bangkok die Ordination als buddhistischer Mönch und erhielt den monastischen Namen Brahmavamso. Er schloss sich der Thai-Forest-Tradition an und übte neun Jahre lang unter Ajahn Chah — dem bedeutendsten Theravāda-Meister Nordostthailands. In dieser Zeit vertiefte er nicht nur die Meditationspraxis, sondern erstellte auch einen englischsprachigen Leitfaden zu den buddhistischen Mönchsregeln (Vinaya), der westlichen Mönchen den Einstieg erleichtern sollte.
Ajahn Chahs Einfluss war prägend: die Betonung der Jhāna-Meditation, das schlichte Waldklosterleben, die strikte Vinaya-Observanz und die direkte, humorvolle Lehrweise — all das nahm Ajahn Brahm mit nach Australien und machte es zum Fundament seiner eigenen Arbeit.
Ankunft in Australien und Gründung des Bodhinyana Monastery
1983 folgte Ajahn Brahm einer Einladung der Buddhist Society of Western Australia (BSWA) nach Perth. Auf 97 Acres Buschland in Serpentine, südöstlich von Perth, half er persönlich mit, ein Waldkloster aus dem Nichts zu errichten — er erlernte dafür Klempner- und Maurerarbeiten. Das Bodhinyana Monastery (benannt nach Ajahn Chahs Ehrennamen Bodhiñāṇa) ist heute das älteste buddhistische Waldkloster der südlichen Hemisphäre.
1995 übernahm er die alleinige Leitung als Abt, nachdem sein Mitbruder Ajahn Jagaro den Orden verlassen hatte. Seither ist er Spiritual Director der BSWA und Schirmherr buddhistischer Gesellschaften in Victoria, South Australia, Singapur und Sydney.
Kernlehren: Jhāna, Wohlwollen und Loslassen
Ajahn Brahm ist einer der wenigen westlichen Lehrer, der ausführlich und aus eigener Erfahrung über die Jhāna-Zustände lehrt — tiefe Versenkungszustände der Meditation, die in der Theravāda-Tradition als Grundlage für Einsicht und Befreiung gelten. Sein Buch Mindfulness, Bliss, and Beyond (2006) gilt als eine der klarsten modernen Anleitungen zu diesem Thema.
Seine Lehrweise zeichnet sich durch Humor, Zugänglichkeit und kurze, prägnante Geschichten aus. Das Buch Who Ordered This Truckload of Dung? (2005, auf Deutsch: Die Kuh, die weinte) enthält 108 solcher Geschichten und machte ihn international bekannt. Wiederkehrende Themen sind: die Kraft des Wohlwollens (Mettā), die Befreiung durch Loslassen und die Einsicht, dass Leiden aus falschen Erwartungen an die Welt entsteht.
Die Bhikkhunī-Ordination und der Bruch mit der Waldkloster-Linie
Am 22. Oktober 2009 ordinierte Ajahn Brahm gemeinsam mit dem australischen Mönch Bhante Sujato vier Frauen zu Bhikkhunis — vollordinierten Nonnen im Theravāda-Buddhismus. Diese Ordination war hochumstritten: Die Bhikkhunī-Linie gilt im Theravāda seit Jahrhunderten als erloschen, ihre Wiedereinführung wird theologisch wie institutionell streng abgelehnt.
Am 1. November 2009 schloss die Ajahn-Chah-Forest-Sangha Ajahn Brahm aus — dem weltweiten Klosterverbund, dem er seit seiner Ordination angehörte. Er nahm den Bruch bewusst in Kauf: „Ich habe herausgefunden, dass viele der Hindernisse, die wir für gegeben hielten, gar nicht vorhanden sind", sagte er dazu. Das Bodhinyana Monastery und die BSWA stehen bis heute hinter ihm.
Auszeichnungen und internationale Wirkung
2004 erhielt Ajahn Brahm die John Curtin Medal der Curtin University für Führung und gesellschaftliches Engagement. 2006 verlieh ihm König Rama IX. von Thailand den Titel Phra Visuddhisamvarathera anlässlich des königlichen Diamantjubiläums. 2019 wurde er mit dem Order of Australia (General Division) für seine Verdienste um den Buddhismus und die Gleichstellung der Geschlechter ausgezeichnet.
Seine Dhamma-Vorträge auf YouTube haben viele Millionen Aufrufe; die BSWA stellt seine Reden kostenlos zur Verfügung. Er ist regelmäßig in Malaysia, Singapur, Europa und Nordamerika auf Lehrreise.